Pfarrkirche St. Kunibert

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Geschichte der Enzener Pfarrkirche

Pfarrkirche St. Kunibert
Der Friedhof von Enzen ist ein künstlich angelegter Hügel aus der Römerzeit, was viele römerzeitliche Bodenfunde belegen. Auf den Resten einer röm. Kastellanlage wurde schon vor dem 8. Jahrhundert ein Neubau errichtet, was durch archäologische Grabungen 1994 durch Fachleute festgestellt wurde. Dieser Bau wird als Vorgängerbau Nr. 1 bezeichnet.

Mittelalter bis 17. Jahrhundert

Schon bald nach dem Jahr 800 n.Chr. wird ein neuer karolingischer Nachfolgebau errichtet, der als Vorgängerbau Nr.2 bezeichnet wird.

Um 1170 wurde eine neue Kirche erbaut welche dem hl. Kunibert geweiht wurde. Der Altarraum der Kirche ist nach außen in fünf Seiten des Zehnecks geschlossen, jedes Feld mit einer rundbogigen Blende, in den beiden äußeren und dem mittleren Feld je ein kleines spitzbogiges Fenster des 14.Jahrhunderts in Hausteinfassung. In Anschluss an die Apsis wurde ein quadratisches Langhaus nebst nördlich Seitenschiff und Sakristei angelegt. Über der Westmauer ein einfacher viereckiger Dachreiter mit Schieferbekleidung.

1647 fiel die Kirche der Brandschatzung durch die Hessen zum Opfer. Bei der darauf folgenden Instandsetzung der Kirche wurde 1673 ein Turm errichtet. Aus dieser Zeit stammt auch der Barockaltar der heute wieder in Originalfassung restauriert zu sehen ist.

18. Jahrhundert

1838 werden unter dem Chor der Kirche 3 dicht verpichte Brettersärge gefunden die Pfarrer Stern auf dem Friedhof neu beerdigt. Wahrscheinlich stammen die Toten aus dem Adelshaus der Enzener Burg. Im Jahre 1899 wird die alte Kirche bis auf die Apsis abgerissen, der Triumphbogen mit seltenen Innenmalereien wurde zugemauert. Heute dient diese Apsis als Kapelle.

1896 wurden die nördliche und östliche Friedhofsmauer, in die 12 alte Grabkreuze eingemauert waren, abgerissen und für die Fundamente der neuen Kirche gebraucht; auch die alten Grabkreuze aus Sandstein, deren Inschrift man nicht mehr lesen konnte, nahm man mit in die Fundamente.

Im September 1896 wurde in allen Kirchen des Erzbistums Köln eine Kollekte für den Neubau der Enzener Kirche abgehalten.

Am 23.05.1897 legte man den Grundstein zur neuen Kirche.

Die im neugotischen Stil erbaute Kirche hat folgende Maße: Der Chor hat eine Länge von 7,02 m und eine Breite von 6m. Das Schiff ist 17,40m lang und 8,50 m breit, das Querschiff erreicht eine Breite von 12,80m. Die Höhe der Umfassungsmauern beträgt 10,32 m, bis zum Schlussstein des Gewölbes sind es 11,32m, bis zum Dachfirst 16,32 m und bis zum Fuß des Kreuzes auf dem Turm 42m.

Am 25.09.1898 wurde die Kirche gesegnet. Pfarrer Blaesen schrieb dazu: Wie ein Dömchen steht die Kirche auf dem höchsten Punkt des Dorfes und beherrscht von dem Hügel aus Dorf und Umgebung.

Im Januar 1899 legte man die alte Kirche mit dem Turmreiter nieder, 1902 weihte Weihbischof Dr. Antonius Fischer die neue Pfarrkirche. Die alte und neue Kirche standen über ein Jahr lang nebeneinander.

Die drei Hauptfenster im Chor sind Stiftungen der Familien Pirig, Schick und Brauweiler. Sie sind nach Art der Kölner Schule gefertigt worden und beinhalten biblische Darstellungen. (heute noch komplett erhalten)
Die zwei wunderschönen Fenster in den Seitenschiffen sind im II. Weltkrieg so stark beschädigt worden, dass sie später durch Ornamentfenster ersetzt wurden. Die übrigen Fenster zeigen keine bildlichen Darstellungen, sondern Teppichmalereien auf meist hellem Antikglas.

In der Zeit von 1898 bis 1900 fertigte Bildhauer Karl Dörr aus dem Saulgau, nördlich des Bodensees, die komplette Innenaustattung (Figuren, Haupt- und Seitenaltäre, Kanzel mit Schalldeckel, Beichtstuhl, Kommunionbank, Triumphkreuz und die Austattung der Sakristei).

Neuzeit

1903 malte Dekorationsmaler Hubert Becker aus Venrath die neue Kirche farbenprächtig aus.

1994 wurde der alte Altarraum renoviert. Die Restaurierung der alten Wand -und Deckenmalereien gestaltete sich als sehr schwierig, da sämtliche Malereien des 12.13. und 14.Jahrhundert im 17.und Anfang des 19. Jahrhundert übermalt und teilweise mit ihrer Kalkputzschicht abgeschlagen wurde. Auch der originale Steinfussboden wurde wieder verlegt. Mit der Freilegung des Triumphbogens kamen auch die seltenen Innenmalereien wieder zum Vorschein die auch neu restauriert wurden.

Heute ist die Apsis mit ihren seltenen und kostbaren Malereien ein wahres Kleinod im ganzen umliegenden Land. Die zahlreichen Bodenfunde, die bei den Restaurierungsarbeiten gefunden wurden, sind heute in den Seitennischen, in Vitrinen aufbewahrt zu besichtigen.